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4.CD - Fürsten in Lumpen und Loden
Pax et Gaudium Nr. 18 / 2005
von C. Müller
Alle Fans der Streuner dürfen sich freuen: Sie sind wieder
da und haben 15 neue gelungene Songs im Gepäck. In
gewohnt-geliebter Tradition unterhalten die sechs Musiker mit
ihrem ganz eigenen Charme. Unverändert im Stil, so trifft
doch der charakteristische Streunerhumor wieder einmal auf
viele neue Ideen und kreative Arrangements. Die übliche bunte
Mischung aus gekonnt eingespielten Balladen, Trink- und
Fahrtenliedern sowie dynamischen Instrumentals läßt an keiner
Stelle das ganz spezielle Augenzwinkern vermissen, mit dem
die Band die Helden ihrer Stücke und nicht zuletzt sich
selber kräftig auf den Arm nimmt.
Die Herausforderung, dem eigenen Stil treu zu bleiben und
sich dennoch weiterzuentwickeln, ist gelungen. Wer Lieder zum
Mitsingen und -grinsen sucht oder dringend einmal wieder
einen Ohrwurm braucht, der greife guten Gewissens zu. Alle
Tracks können auf der Heimatseite der Streuner probeweise
angespielt werden.
www.magister-rother.de
von Stephan M. Rother M.A.
Die Musiker von den "Streunern" sind nun etwas Besonderes: Für das, was heutzutage unter dem Titel
"Mittelaltermarktmusik" subsummiert wird, sind die Herrschaften um Produzent und Mastermind Roland Kempen
weit mehr gewesen als bloße Inspiration. Mit dem angesichts solcher Bedeutung doch recht schmalen Backkatalog von nur drei Alben wurden die Streuner zum role model einer ganzen Bewegung, die den Begriff des "Mittelalters" nicht unbedingt als Synonym für den tausendjährigen Zeitabschnitt etwa zwischen dem Jahr 500 und dem Jahr 1500 interpretiert. Vielmehr müssen wir uns ein jedes Mal vergegenwärtigen, dass wir es hier mit einem Konvolut von Versatzstücken unter Anderem aus Volkslied, Folk, einem halben Jahrhundert moderner Rockmusik zu tun haben.
Die Streuner sind sich dieser Umdefinition nun aber - im Gegensatz zu vielen ihrer Epigonen - bewusst.
Und Kempen, der als Producer auf erfolgreiche Chartsware zurückblicken kann, kennt den Markt gut genug,
um zu wissen, dass er gerade mit einer so vielfach kopierten und von so vielen Anderen zu kommerziellem
Erfolg geführten Idee nicht auf der Stelle verharren darf. Eine ohnehin quälende Vorstellung für jeden
echten Künstler.
So haben sich die Jungs nebst Dame diesmal nicht allein streunenderweise aus dem Balladeninventar der
deutschen Romantiker bedient, sondern sich sehr bewusst um neue Wege bemüht: Aus diesem Album hervor
sticht die "Rabenballade". Der Rezensent, mit dem Oeuvre des Ensemble nur unvollkommen vertraut, glaubt
sich hier einer älteren, deutlich anders tönenden Version zu entsinnen. Im Klangbild der Rabenballade
von 2004 kommen sogleich Erinnerung an Loreena McKennitt auf, aber auch an das erfolgreiche Popprojekt
Dune (liegt natürlich auch am Waldhorn). Eine hübsche Idee! Ohne Zweifel ist Kempen hier auf seinem Weg
zum Jeff Lynne oder Dave Stewart der heimischen Mittelalterszene ein gehöriges Stück vorangekommen.
Wichtigste Einsicht aber nach intensivem Durchhören von "Fürsten in Lumpen und Loden": Die Streuner
haben sich mit einem Album voller neuer Ideen einen Weg geschaffen, die allfällige Desintegration der
hyper-kommerzialisierten "Mittelalterszene" bruchlos zu überleben. Das Schöne daran: Man hört dieser Musik
an, dass sie schlicht und einfach das ist, was die Musiker gerne machen wollten. Nichts wirkt bemüht,
die Sache klingt rund und überzeugend, sie kommt - um eine Formel zu gebrauchen, die sicher auch den
Romantikern gefallen hätte - aus dem Herzen. Und das ist gut so.

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