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1.CD - Wein, Weib und Gesang
im FolkMagazin Nr. 223 Juni/Juli 1999
Portrait-Seite "Die Streuner - Spielleute"
Lästerliches und Liederliches aus mehreren Jahrhunderten (z.B. Pfaffen-, Söldner-,
Rauf - und Sauflieder) und Bearbeitungen von Stücken insbesondere der Renaissance bietet die
Gruppe "Die Streuner" auf ihrer ersten CD "Wein, Weib und Gesang".
Die Gruppe, die sich ursprünglich als reiner "Live-Act" auf Burgfesten und
Handwerkermärkten verstand, hat diese CD professionell in einem Studio eingespielt.
Die Spielfreude der Gruppe und ihr mehrstimmiger Gesang begeistern.
Zwar spielt die Gruppe hauptsächlich (alt)bekannte traditionelle Titel wie Papst und Sultan,
Es wollt ein Bauer früh aufstehn, All voll, Tourdion usw., jedoch wurden die Titel sehr schön
bearbeitet. Obwohl nur akustischen Instrumente (2 Lauten, spanische Cister, Geige) zum Einsatz kamen,
wurden die Titel sehr druckvoll eingespielt.
Der Verzicht auf laute Trommeln und Dudelsäcke läßt den teilweise vierstimmigen Gesang
besonders zur Geltung kommen. Deutsch-folkies (mit einer Vorliebe für Zupfgeigenhansel oder die
frühen Liederjan) kommen bei den (gekonnt) derben Gesängen voll auf ihre Kosten.
Ansonsten möchte ich das Geigenspiel besonders hervorheben. Hier ist ein Musiker mit seinem Instrument
zu einer Einheit geworden und es ist klanglich gelungen, diese Einheit auf die CD zu bringen.
Ich freue mich über diese Bereicherung der Deutschfolkszene und hoffe, daß es - wie telephonisch von der
Gruppe angedeutet - in nicht zu ferner Zukunft zu einer weiteren CD-Einspielung kommt. Die CD ist von
dem Gruppenmitglied Roland Kempen, Bernkastelerstr. 5, 53175 Bonn zu beziehen.
Folker!, 5/99
von Ulrich Joosten
Wenn eine Gruppe mit einem solchen Namen eine CD mit einem solchen Titel herausbringt, schalten die
Warnlampen zunächst mal auf gelb bis hellrosa und der Rezensent wittert Unrat. Im vorliegenden Fall sind
solche Vorbehalte nur teilweise berechtigt. Vom Repertoire her ist die Platte so eine Art "Best of
Zupfis" (ohne deren gelegentlich doch recht süßlichen Gesang) in der Qualität der 90er.
Vom "Papst und Sultan" über "lustig, lustig, ihr lieben Brüder" bis zu "Es
wollt ein Bauer früh aufstehn".
Vielleicht geht das seit zehn Jahren bereits existierende Quartett Die Streuner ja
davon aus, daß inzwischen eine Generation Folkies nachgewachsen ist, für die dieses in den 70er
und 80er Jahren schon von zig Gruppen abgenudelte Repertoire wieder Neuland ist. Vielleicht orientiert
sich die Gruppe aber auch einfach am Mittelalter-"Markt" (in des Wortes doppelter Bedeutung)
und daran, was sich dortselbst gut verkaufen läßt, nämlich derb-erotische Sauflieder und
Gesänge der niederen Minne mit Mitklatsch-Charakter.
Grundsätzlich sind die (meist recht schmissigen) Arrangements nicht so sehr
innovativ und auch die Instrumentierung ist meist gleichbleibend. Letzteres ist per se ja nicht schlecht
- die Musiker beschränken sich halt jeweils auf ein Instrument, das sie dafür aber beherrschen.
Dabei dominieren Rhythmusinstrumente (vermutlich ist eine Laute oder Lautengitarre darunter, das Booklet
gibt leider keinerlei Auskunft über die Besetzung), eine superb eingespielte Geige und ein- bis
mehrstimmiger Gesang. Daß dabei Könner am Werk waren, ist der Produktion deutlich anzuhören,
nicht nur, was die handwerkliche Qualität an den Instrumenten betrifft, auch an den Studioreglern war
offenbar ein Profi am Werk.
Die Streuner würde ich gerne mal live erleben, um zu sehen, welchen Eindruck
die Truppe auf der Bühne macht. Auf der CD macht sie einen ziemlich guten, und wer ein Faible für
das genannte Repertoire hat, dürfte mit der Platte sehr wohl zufrieden sein.
Karfunkel 24/98 :
von M. Wolff
Die Streuner haben nun endlich ihre erste CD editiert. Wer es einmal nicht so laut wie bei
den Bordunen deutscher Ostgruppen braucht, aber auch nicht so akademisch und höfisch wie
bei den meisten Westgruppen, für den sind die Streuner sicher richtig. Die
Instrumentierung wird den A...n der Szene sicher nicht gerecht. Hier macht Musik einfach
Spaß. Singe wem Gesang gegeben, und wer's nicht kann der gröle eben!, sagen die
Streuner und : Ist der Takt mal nicht profunde, macht nichts - Wirt, die nächste
Runde. Das ist die Hitparade alter Musik, gesungen wie von dir und mir, zu Gitarre
und Fidel im Stil der Mundorgel und am Lagerfeuer.
16 Lieder zum Sinn des Lebens, zu Pabst und Sultan, an den Wirt uns dürstet
all so sehre, über Männer mit Bärten, Lustig, Lustig, von Geyers
schwarzem Haufen, vom Wunsche, eine Nonne zu werden, vom Bauern, der
früh aufstehn wollte, von Wein, Weib und Gesang, vom Rufe, man sei All
voll, vom Mönch vor dem Nonnenkloster und von den Streunern.
Darf in keinem Auto fehlen, das auf dem Weg zum nächsten Markttermin ist, um gute
Stimmung zu machen....

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